Viele von uns sehnen sich nach einem Paradigmenwechsel, nach Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung von Männern und Frauen, nach wahrer Partnerschaftlichkeit. Bevor uns das nicht gelingt, ist auch ein Frieden in der Welt nicht möglich. Das ist so etwas wie eine Hauptbedingung für den Frieden.

Der erste Weg um wirkliche Partnerschaftlichkeit zu erreichen, ist, beim Paradigma zu beginnen. Darunter verstehe ich das Menschenbild, das Denken und die Haltung der Menschen. Auch die GFK setzt beim Paradigma an. Mit ihrer Hilfe soll zunächst ein Bewusstsein für Partnerschaftlichkeit geschaffen werden. Aber nicht nur das, die GFK stellt uns auch methodische Werkzeuge zur Verfügung, um diesen Paradigmenwechsel zu ermöglichen.

Ein anderer Weg, der ebenfalls große Bedeutung bei diesem Paradigmenwechsel hat, ist die Erziehung. Denn durch die Erziehung wird das jeweilige Paradigma an die nächste Genera­tion weitergegeben. Rosen­bergs Anliegen war es, durch eine Veränderung beim Erziehungswesen den Grund­stein für wirkliche Partner­schaft­lichkeit zu legen.

Einsatz für den Paradigmenwechsel

Ein Paradigmenwechsel war auch das Anliegen von Marianne Hainisch, einer der Protagonistinnen eines beeindruckenden Theaterstücks meiner Freundin Isma Forghani. Marianne Hainisch, die Mutter des 1. österreichischen Präsidenten, war Pionierin bei der Verwirklichung der Gleichberechtigung der Geschlechter in Erziehungsfragen in Österreich.

Auch Sarah Bernhardt, die zweite Protagonistin, lag der gesellschaftliche Wandel am Herzen. Sie demonstrierte die Gleichberechtigung jedoch lieber durch ihr exzentrisches Leben. Sarah Bernhardt war so etwas wie ein erster Weltstar in der Schauspielkunst.

Beide Frauen setzten sich mit ihrer ganzen Kraft für diesen Paradigmenwechsel ein. Und darüber hinaus wurden beide dabei von der persischen Dichterin Tahereh inspiriert. Tahereh, die persische Johanna von Orleans bezahlte für diesen Paradigmenwechsel schlussendlich mit ihrem Leben.

Tahereh

Mit anderen Worten, Heinisch und Bernhard waren beide fasziniert von Taherehs revolutionärer Kühnheit, ihrer bezwingenden Redegewandtheit und ihrem sprühenden Geist. Tahereh stand alleine entgegen ihre Zeitgenossen, ja sogar gegen den Schah auf. Sie ist für ihr unverschleiertes und charismatisches Auftreten in der Öffentlichkeit bekannt geworden. Das war ein Tabubruch in der iranischen Gesellschaft der Mitte des 19. Jahrhunderts. „Die Erscheinung einer Frau wie Tahereh, ist in jedem Land und zu allen Zeiten selten, aber für ein Land wie Persien ist es ungeheuerlich, ein wahres Wunder.“ (Prof. E. G. Browne, britischer Orientalist).

Marianne Hainisch wollte „das für die Frauen Österreichs erreichen, was Tahereh für die Frauen Persiens bewirkte“. Und das ist ihr gelungen. Dank ihres Einsatzes konnten Frauen in Wien um 1900 das erste Mal auf ein Gymnasium und  in der Folge an die Universität.

„Wieso sollte ich, bitte, die fremdbestimmte Identität meiner Eltern über­nehmen? Und wer, ja welcher normal Sterblicher verbietet mir, dass ICH für mich meine eigene Identität auswähle?“ Diese nach wie vor aktuelle Frage stellte Sarah Bernhardt in der Lesung.

„Wanted“

Alle diese Frauen wurden in der tiefgründigen szenischen Lesung “Wanted” zusammengebracht. Obwohl wir nur weniger als zehn Tage Vorbereitungszeit hatten, wurde „WANTED“ am 9.10.21 in der Bachmann-Kuppel am Neuen Platz aufgeführt. Diese Kurzfassung wurde von der Shakespeare-Regisseurin Nicole Fendesack inszeniert und von ihrem Ensemble gespielt. Mitgewirkt hat auch Anja Glüsing vom Gesang- und Sprechstudio Klagenfurt. Mit ihrer wunderschönen Stimme hat sie den Part der Sopranistin übernommen.

Es war mir eine unvorstellbar große Ehre, diese Lesung nach Klagenfurt  zu bringen. Ein herzliches Dankeschön an alle, die diesen Abend ermöglicht haben. Mein Dank geht insbesonderes an Gerhard Fresacher, den künstlerischen Leiter der Bachmann-Kuppel.

Zum Nachlesen und Nachhören

Wer sich Ausschnitte aus der Lesung (noch) einmal anhören möchte, kann dies hier tun. Die Aufnahme von Radio Agora wurde am 13.10. um 10:20 ausgestrahlt und mir mit freundlicher Genehmigung zur Verfügung gestellt.  Die Lesung beginnt mit dem Lied „Fill Thou, o God“, gesungen von Anja Glüsing, an der Stelle 2:40.

Zusätzlich können alle, die in Ruhe nachlesen möchten, das lesenswerte Stück unter dem Titel „Der Siegelring – wofür es sich zu kämpfen lohnt“ finden. Es ist im Verlag Harmattan erschienen.

Fortsetzung für Interessierte

Wer mehr über Tahereh, ihre Ideale und Werte erfahren möchte, hat bei einem gemütlichen Austausch dazu Gelegenheit.
Samstag, 30.10.21 um 18h
Literatur Lounge des Hotels „Der Sandwirth“,
Pernhartgasse 9, 9020 Klagenfurt.
Infos unter: 0676-89808531

Zur Aufnahme der Lesung von Radio Agora